Mittwoch, 5. Mai 2010

Nathan der Weise: Leseeindruck

Meines Erachtens liess sich die  Geschichte wie ein roter Faden durch eine zähe Masse lesen. Als "roter Faden" bezeichne ich die Haupthandlungen, als "zähe Masse" jeden einzelnen Satz, jedes Wort, sei es noch so unbedeutend. Und genau dies war meine Sorge, nähmlich, dass man jeden Satz dreimal durchlesen muss um zu verstehen, was gerade am passieren ist, doch dem war nicht so. Ich verstand die Haupthandlungen der Geschichte, ohne, vorallem gegen den Schluss, die Sätze aufs genauste durchzulesen müssen. Was mich ebenfalls erstaunte, waren die mir gar nicht so fremden Wörter. "Nathan der Weise", schon der Titel liess mich glauben, in diesem Buch wimmle es nur so von Wörtern, welche ich höchstwahrscheinlich nicht verstehen werde. Nun, auch dem war nicht so und ich verstand eigentlich alle Wörter. Doch diese Satzstellungen schlugen mir entgegen wie ein kalter Wind; man will weiter, doch dieser Wind hindert uns am Weitergehen. Nur schon die Darstellung der Sätze macht es einem schwierig dieses kleine gelbe Buch nach ein paar Seiten nicht beiseite zu legen. Diese Satzstellung und die optische Darstellung der Sätze (die Absätze) machten es mir schwierig Gefallen am Lesen dieses Buches zu finden, obwohl ich die eigentliche Geschichte gar nicht unspannend finde. Ich denke, wenn man mehr Bücher lesen würde, die so geschrieben sind, würde sich unser Auge allmahlich daran gewöhnen und wir könnten uns auf die eigentliche Geschichte konzentrieren anstatt ständig über die uns ungewohnten Sätze zu stolpern.
Etwas, was mir auch aufgefallen ist, obschon die Figuren sehr hochgestochen miteinander sprachen und einander dementsprechend behandelten, war,  dass man hinter dieser so korrekten Fassade die Unsicherheiten und Zweifel der einzelnen Figuren hindurchspüren konnte. Das beeindruckte mich und erleichterte es mir, mich in die Personen hineinzufühlen können. Ob heute oder damals, ob Jude, Muslime, Christ, Frau oder Mann, alle haben die gleichen Ängste und Hoffnungen. Ich glaube Lessing wollte uns vermitteln, dass wir alle gleich sind und hat es, bei mir jedenfalls, auch geschafft.
Ebenfalls ist das Buch für mich ein Buch über Toleranz. In diesem Fall über religiöse Toleranz und da es schon sehr früh (1779) geschrieben wurde, glaube ich, das dies ein grosser Schritt für die damaglige Zeit war, weil die Bevölkerung sehr viel homogener war als heute, was vorallem die Religionszugehörigkeit betrifft. Lessing urteilt oder verurteilt keine seiner Proganisten.

Toleranz ist der Verdachtdaß der andere Recht hat.” Kurt Tucholsky.


Obwohl es nicht gerade das spannendste Buch war das ich gelesen hab und es auch an einiger Überwindung bedarf das ganze Buch zu lesen, finde ich es wichtig solche Literatur sicher einmal gelesen zu haben. Um das Lesen ein bisschen voranzutreiben las ich zuerst den Anfang, danach etwa von der hinteren Mitte zum Schluss und zuletzt den mittleren Teil.

Was Nathan über Religion sagt finde ich lehrreich und ich glaube man kann nur Gewinn aus dem Lesen von Lessings "Nathan der Weise" ziehen.